ORTO - ein offener Garten
Für die Nachbarschaft, für vier Gemeinden, für Menschen aller Religionen, für Menschen ohne Religion. für Geburtstagskinder, für Hochzeitspaare, für Taufgesellschaften, für Neugierige, für Erholungssuchende, für Schüler*innen, für alte Menschen, für Grillmeister*innen, für Kartoffeln und Kräuter, für Vögel, Würmer und Insekten.
Baubotanisch gedacht, ist der Garten kein fertiger Raum, sondern ein Prozess aus Wachstum, Verbindung und Pflege. Gemeinschaft entsteht als ein Gefüge aus Beziehungen, Praktiken und räumlichen Erfahrungen, das sich über die Zeit verdichtet und verändert.
Christus König ist eine große Kirche innerhalb der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Vaihingen. Die expressionistische Saalkirche wurde nach einem Entwurf von Alfred Schmidt 1928 in Stuttgart Vaihingen erbaut und ist heute Teil eines Ensembles, das neben der Kirche, im ehemaligen Pfarrhaus ein Konvent des nigeriranischen Ordens Daughters of Mary Mother of Mercy umfasst. Ein Gemeindehaus mit katholischem Kindergarten befindet sich hinter der Kirche. Der zur Kirche gehörende Garten befindet sich hinter einem schmiedeeisernen Zaun, zwischen dem Kirchengebäude und dem Konvent. Obschon das Gartentor nie verschlossen ist, verirrt sich nur selten jemand hierher. Auf diesem Gartengrundstück entsteht ORTO, ein temporärer Gartenraum als gemeinsamer Handlungsort. ORTO ist eine wachsende Struktur auf Zeit, die es ermöglicht, neue Formen von Gemeinde und Gemeinschaft zu entwickeln und zu erproben. In den kommenden Jahren wird Christus König mehr und mehr zum Hauptstandort der katholischen Kirche in Vaihingen. Für die anderen drei Gemeinden ist dies ein tiefgreifender Transformationsprozess, da mit der Aufgabe der bisherigen Strukturen lokale Identitäten drohen verloren zu gehen. Die Aktivierung der Gartenfläche bietet die Chance eines gemeinsamen Neuanfangs. Dabei lassen sich zwei offene, ineinandergreifende Entwicklungsstränge beschreiben: 1. Öffnung und Sichtbarmachung im Sozialraum Anwohner*innen, Schüler*innen des benachbarten Fanny-Leicht-Gymnasiums, Kita-Kinder und ihre Eltern sollen schon von weitem erkennen, dass sich hier ein Raum für alle öffnet. Sie sollen sich eingeladen fühlen, den Garten zu betreten und dort zu verweilen, wiederzukommen, mitzumachen und sich den Garten selbst anzueignen. 2. Ankommen und innere Neuorientierung Der innerkirchliche Transformationsprozess soll hier verankert und der Garten, zu einem Identifikationsort für die neue Gesamtgemeinde werden: Die gemeinsame Gestaltung eines neuen Raumes, signalisiert, dass die Teilgemeinden nicht einfach der bestehenden Struktur angegliedert werden, sondern dass insgesamt etwas Neues entsteht.
Gemeinsam mit engagierten Menschen vor Ort gestalten wir Kräuterbeete, Schattenplätze, Sitzgelegenheiten, eine Grillstelle, Spielmöglichkeiten und mehr. So ermöglicht ORTO die individuelle und kollektive Aneignung, ohne eine bestimmte, festgelegte Nutzung vorzuschreiben.

